Stadtleben
DSW21-Vorstandsvorsitzende Heike Heim mahnt sozialverträgliche Umsetzung an
»Wärme für alle? – Perspektiven für eine soziale und klimagerechte Wärmewende« - so lautete der Titel einer Online-Veranstaltung, zu der die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung jetzt eingeladen hatte. Als Expertin mit dabei, um vor allem die Perspektive der Stadtwerke zu verdeutlichen: Heike Heim.
Die Wärmewende sei für sie „so etwas wie die zweite Halbzeit der Energiewende“, erklärte die Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21). Aktuell betrage der Anteil erneuerbarer Energien an der Versorgung lediglich 15 Prozent. In Dortmund heizen knapp 80 Prozent der Haushalte mit Gas. „Wir stehen also gesamtwirtschaftlich vor einer Mammutaufgabe, wenn wir die Klimaschutzziele durch eine erfolgreiche Wärmewende erreichbar machen möchten.“
Für DSW21 wie für alle Stadtwerke und kommunalen Unternehmen der Daseinsvorsorge sei neben der technischen Komplexität natürlich die Finanzierung DIE ganz große Herausforderung. „Allein die Investitionen in den Netzausbau belaufen sich für unsere Tochter DEW21 bis zum Jahr 2035 auf rund 2,8 Milliarden Euro. Und da reden wir »nur« über die Wärmewende. Als typisches Querverbundsunternehmen müssen wir aber auch die Verkehrswende in Dortmund und vieles mehr stemmen“, verdeutlichte Heike Heim, mit der Lars Klitzke (Dozent an der Schornsteinfeger-Akademie Dülmen) und Dr. Reinhard Loch (Bereichsleiter Energie bei der Verbraucherzentrale NRW) gemeinsam auf dem virtuellen Podium saßen. Die zur Erreichung der Klimaschutzziele nötigen Investitionen würden die Finanzierungskraft der meisten kommunalen Unternehmen und der dahinterstehenden Kommunen übersteigen. „Hier ist zwingend eine Förder- bzw. Finanzierungskulisse auf Landes- und Bundesebene notwendig.“
Gleichwohl, mahnte die DSW21-Vorstandsvorsitzende, sei die Wärmewende „nicht nur ein klima-, finanz- und wirtschaftspolitisches Thema: Ganz wichtig und eine große Aufgabe für die Politik ist, sie sozialverträglich zu gestalten“. Einkommensschwächere Haushalte müssten durch sozialpolitische Maßnahmen aufgefangen werden. Die Politik müsse Förderkulissen bauen, die soziale Härten abfedern. „Da müssen wir meiner Meinung nach weg vom Gießkannenprinzip. Die Energiepreisbremse war, als sie beschlossen wurde, richtig und wichtig, denn schon in der Corona-Pandemie ist schmerzhaft klar geworden, dass keine Möglichkeit staatlicher Direktzahlungen an Bürgerinnen und Bürger besteht.
Leider sind wir in diesem Punkt heute keinen Schritt weiter. Es bedarf aber dringend der Möglichkeit staatlicher Direktzahlungen, die dann zielgerichtet und sozial ausgewogen gestaltet werden können.
In der spannenden Diskussion mit den mehr als 60 Teilnehmenden am Online-Panel ging die Vorstandsvorsitzende von DSW21 auch auf die kommunale Wärmeplanung ein, zu der die Städte und Gemeinden verpflichtet sind. Erfreut zeigte sie sich darüber, dass sich die Stadt Dortmund dafür entschieden hat, DEW21 damit beauftragt hat, den Energienutzungsplan (ENP) gemeinsam mit dem Freiburger Planungsbüro »greenventory« zu erarbeiten. „So können wir unser Knowhow optimal einbringen und die Zukunft gestalten.“