Stadtwerke

Wenn „Ablöse“ in keinem Wörterbuch steht

Zum Welttag der Migrant*innen und Geflüchteten stellen wir euch zwei Kollegen vor

Menschen aus 41 Nationen arbeiten bei DSW21 – und alle haben eine eigene Geschichte und ein Leben, bevor sie bei uns angefangen haben. Besonders ist diese Vorgeschichte, wenn sie mit einer Flucht aus einem anderen Land und einer anderen Kultur verbunden ist. Wir haben den Welttag der Migrant*innen und Geflüchteten am 20. Juni zum Anlass genommen, mit zwei Kollegen zu sprechen, die genau so eine Vorgeschichte haben: Unsere beiden Busfahrer Rami Abo Khaled und Josef Alshaar sind nämlich 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen.

Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die bei uns am Steuer sitzen, haben beide vor dem Einstieg in den Job in anderen Berufen gearbeitet. Rami Abo Khaled ist gelernter Bauzeichner, doch die Arbeit unterscheidet sich in Syrien einfach zu sehr von der in Deutschland, sodass schnell klar war, dass er beruflich umsatteln musste. Ein großes Fahrzeug zu lenken, konnte er sich gut vorstellen, aber wollte er Busfahrer werden oder lieber einen Lkw steuern? Die Entscheidung fällte er ganz pragmatisch: „Lieber Bus fahren. Das ist besser für den Rücken.“ Josef Alshaar jobbte nach seiner Ankunft in Deutschland erst einmal übergangsweise im China-Restaurant, danach arbeitete er als Maler und Handwerker. Das klappte richtig gut und wäre vielleicht sogar ein Job fürs Leben gewesen, doch gesundheitliche Probleme im Umgang mit Farben und Dämmwolle zwangen ihn zu einer Neuorientierung. Ein Bekannter, der Busfahrer ist, brachte ich dann auf seinen jetzigen Beruf. Eigentlich auch naheliegend, denn: „Ich habe ihn Syrien bereits öfter Kleinbusse gefahren.“

Rami Abo Khaled und Josef Alshaar sind beide über eine Umschulung bzw. Ausbildung des Arbeitsamts zum Busfahrer in unserem Unternehmen gelandet. Mit dem frisch erstandenen Führerschein der Klasse D ging es für beide im Frühjahr bzw. Sommer 2019 für drei Monate zu DSW21 ins Praktikum. Volltreffer – beide konnten überzeugen und wurden im Anschluss sofort übernommen.

Deutsch sprechen beide Kollegen gut, in Sprachkursen haben sie es zum B1-bzw. B2-Niveau gebracht, das eine selbständige Sprachverwendung attestiert. Doch das Hochdeutsch aus dem Kurs und der Alltag bei DSW21 mit seinen fachspezifischen Ausdrücken sind zwei Paar Schuhe, erinnern sich beide an die Anfangszeit. Das erste Wort, das Probleme bereitet hat? „Ablöse“, meint Rami Abo Khaled spontan. „Das steht in keinem Wörterbuch. Und bei den ersten Gesprächen mit der Leitstelle redete der Kollege immer von der Linie Vier-Fünf-Zwo. Ich kannte aber nur »Zwei«.“ Doch diese Anfangshürden sind längst überwunden und die beiden können die Missverständnisse und Probleme mittlerweile mit Humor nehmen. Josef erzählt lachend, wie er mal bei einem Funkgespräch Fahrgäste um Hilfe bat, weil er den Kollegen am anderen Ende, der relativ schnell redete, einfach nicht verstand. Das Dumme nur: Die Fahrgäste verstanden ihn auch nicht.

Nun arbeiten beide aber schon seit knapp zwei Jahren bei DSW21 und haben sich längst an Begriffe wie »Ablöse« oder »aufrüsten« gewöhnt. „Ich bin zufrieden, in einer großen Firma zu arbeiten“, betont Josef Alshaar. „Hier ist alles geregelt, etwa bei Überstunden und die Sicherheit geht immer vor, auch wenn wir mal mit Verspätung fahren.“ Auch die Tatsache, dass sich ihre Teamleiter am Anfang darum kümmerten, dass sie alles verstanden, haben sie sehr positiv wahrgenommen. Und wenn jetzt noch Fragen sind, fragen sie dann eher einen arabisch sprechenden Kollegen oder jemanden, der Deutsch spricht? „Den, der gerade im Pausenraum sitzt“, meinen sie unisono. Bei der Arbeit am Steuer sprechen sie Deutsch mit den Fahrgästen, doch hin und wieder können sie ihre arabischen Sprachkenntnisse nutzen, um Fahrgästen, die nicht so gut Deutsch sprechen, den Weg zu erklären oder beim Ticketkauf zu helfen. Das kommt aber eher selten vor.

Jetzt, im Sommer 2021, sind beide richtig gut im Team DSW21 angekommen, auch sprachlich. Doch beide lernen weiter Deutsch. Im Alltag mit den Fahrgästen und Kolleginnen und Kollegen. Und mit Netflix - man kann dort nämlich auch »Spiderman« auf Deutsch mit arabischen Untertiteln schauen.