Stadtleben

140 Jahre Straßenbahn in Dortmund

Impulsgeberin für Stadtentwicklung und klimafreundliche Mobilität – Museumsfest am 4. Juli
Zum 140. Geburtstag der Straßenbahn in Dortmund würdigen DSW21 und das Dortmunder Nahverkehrsmuseum deren Bedeutung für die Dortmunder Stadtentwicklung und die klimafreundliche Mobilität der Bürger*innen. Die Straßenbahn war Wegbereiter für die Industrialisierung und wird nun zum wichtigen Mosaikstein für eine gelungene Verkehrswende.
Das Nahverkehrsmuseum feiert den runden Geburtstag mit einem Fest für Groß und Klein am 4. Juli 2021 von 11 bis 18 Uhr. Besonderes Highlight dabei: Die Besucher*innen können eine 11 Kilometer lange Strecke in der Museumsstraßenbahn zurücklegen und ein nostalgisches Fahrgefühl erleben.
Im Sommer 1881 hat die Straßenbahn ihre Erfolgsgeschichte in Dortmund begonnen und sich im Laufe der Dekaden zum Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs entwickelt, das heute tagtäglich rund 260.000 Fahrgäste bewegt. Zunächst noch von Pferden gezogen führte die allererste Straßenbahn-Linie der Stadt von Fredenbaum bis zum Steinplatz in der Nordstadt. Wenige Monate später komplettierten die zweite Linie von der Dorstfelder Brücke bis zur Funkenburg sowie das Reststück der ersten Linie – vom Bahnhof Dortmund über die Kronenburg nach Hörde geführt – das erste Straßenbahn-Netz der Stadt.

Weitere Meilensteine in der Historie waren beispielsweise der Wiederaufbau des Straßenbahnnetzes 1949, die Fertigstellung des Streckenabschnitts Kirchderne – Grevel 1976, die Inbetriebnahme der Linien U41, U45 und U47 in den 1980er Jahren sowie die Eröffnung der Ost-West-Strecke (U43 und U44) mit den neuen Niederflurbahnen (NGT8) im Frühjahr 2008.

Heute fährt die seit 14 Jahren komplett mit Ökostrom betriebene Stadtbahn auf acht Linien und einem insgesamt rund 105 Kilometer langen Gleisnetz, das über die Innenstadt sternförmig in alle Himmelsrichtungen führt. Montags bis freitags bedient sie dabei im engen 10-Minuten-Takt alle wichtigen Hauptachsen. Die U43 zwischen den Haltestellen »In den Börten« und »Westentor« hat sogar einen 5-Minuten-Takt im Angebot.
Schlüsselrolle für die Verkehrswende
„Die Straßenbahn hat die Stadtentwicklung in Dortmund seit mehr als hundert Jahren eng begleitet und mitunter maßgeblich geprägt. Dabei war sie auch ein Wegbereiter für die Industrialisierung in der Stadt, da sie die Arbeiter zu den Fabriken und nach der Schicht wieder nach Hause gebracht hat. Heute kommt ihr im Rahmen der Verkehrswende eine Schlüsselrolle zu“, betont Jens Petersmann, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins des Dortmunder Nahverkehrsmuseums und fügt an: „Ich bin mir sicher, dass die bewegte Stadtbahn-Geschichte noch lange nicht auserzählt ist und noch ein paar spannende Kapitel bereithält.“
Eines dieser Kapitel wird voraussichtlich Ende des Jahres aufgeschlagen, wenn der erste Stadtbahnwagen der neuesten Generation in Dortmund eintrifft. Die leistungsstarke Stadtbahn-Flotte von DSW21 mit insgesamt 121 Fahrzeugen wird bis 2029 für 200 Mio. € noch einmal umfassend modernisiert und erweitert. Das Verkehrsunternehmen kauft 26 Fahrzeuge neu dazu und modernisiert 64 vorhandene Fahrzeuge baugleich mit den Neufahrzeugen. „Damit läuten wir ein neues Stadtbahn-Zeitalter ein und werden gerade im Hinblick auf Fahrgastinformation, Sicherheit und Komfort ganz neue Maßstäbe setzen“, so DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung.
Spannende Erweiterungsprojekte
Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf zwei anstehende Erweiterungsprojekte: So ist angedacht, dass die Stadtbahn ab der Haltestelle Heinrichstraße von der U43/U44 in nordwestlicher Richtung in das neue Quartier „Smart Rhino“ auf dem ehemaligen Hoesch-Spundwand-Areal abzweigt. Mit rund 1,6 km Länge und zusätzlichen Haltestellen könnte sie u. a. den geplanten neuen FH-Campus erschließen. Bereits in der Planung befindet sich außerdem die Verlängerung der Stadtbahnlinie U44 von der heutigen Endhaltestelle Westfalenhütte bis zur Warmbreitbandstraße, um eine direkte Stadtbahn-Anbindung des stetig wachsenden Logistikzentrums sicherzustellen. Der Bau dieser Strecke könnte ab 2025 beginnen.
„Beim Stadtbahnbau reden wir über relative langfristige Planungszeiträume und beachtliche Kosten. Da muss jedes Vorhaben im Vorhinein akribisch auf die Sinnhaftigkeit geprüft werden“, so Jung. „Mit den Erweiterungen der U44 und U43 haben wir zwei Projekte in der Pipeline, die das Leistungslevel unserer Stadtbahn noch einmal signifikant anheben und uns viele neue Fahrgäste garantieren.“ Darüber hinaus ist DSW21 stets im Austausch mit Stadtverwaltung, Politik und Bürgerschaft, um über etwaige weitere Stadtbahn-Projekte zu sprechen.
Die Geschichte der Dortmunder Straßenbahn im Kurzüberblick:
• 1881: Inbetriebnahme der ersten Linien, damals noch von Pferden gezogen.
• 1894: Die Straßenbahnen auf den Strecken der Dortmunder Innenstadt fahren elektrisch.
• 1913: Die Dortmunder Straßenbahn verfügt über zehn Linien und ein Gleisnetz von 35,8 Kilometern.
• 1914: Stadt Dortmund und Landkreis Dortmund gründen die „Dortmunder Straßenbahnen GmbH“. Zum Streckennetz von rund 100 Kilometern gehören 16 Linien.
• 1928: Die Anzahl der Straßenbahnlinien steigt auf 20.
• 1949: Der Wiederaufbau des Straßenbahn-Netzes ist beendet.
• 1969: Am Vorplatz des Hauptbahnhofes beginnen die ersten Bohrungen für die Stadtbahn.
• 1976: Der Streckenabschnitt Kirchderne – Grevel wird fertiggestellt.
• 1983: Das erste Teilstück der Stadtbahnlinie 1 (U41) zwischen Willem-van-Vloten-Straße und Clarenberg in Hörde wird in Betrieb genommen.
• 1984: Die Stadtbahn-Linien U45 und U47 nehmen ihren Betrieb auf. Die Betriebsleitzentrale im Stadtbahn-Bahnhof „Stadtgarten“ wird eingerichtet.
•  1986: Der letzte unterirdische Abschnitt der U41  (Märkische Straße – Willem-van-Vloten-Straße) wird fertiggestellt
• 1990er Jahre: Fertigstellung zahlreicher Streckenabschnitte. Beispiel: Westfalenpark – Westfalenstadion, Huckarde – Westerfilde, Kohlgartenstraße – Aplerbeck
• 1997: Baubeginn der Ost-West-Strecke
• 2008: Inbetriebnahme der Ost-West-Strecke (U42 und U43)